Januar

An der Donau hellem Strande

I

Die Kirche am anderen Ufer schwankte leicht im Schall und Widerhall der Glocken. Der Hahn, von der Kirchturmspitze durchbohrt, schien mit seinen schwarzen Flügeln den Takt zu schlagen.
Das Weinlaub erzitterte unter einem Windhauch, der die Blumenblüten
auf dünnen Stängeln in einem Duft aus Rose, Minze und Thymian
schwanken ließ.
Entlang der Dorfstraße verliefen sich die bunten Häuschen flußauf,
flußab, als läge vor ihnen noch ein weiter Weg bis ans Ende der Tage.
Ein Fenster schlug zu und ein Tor ging auf. Katzen jagten fliehende Schatten. Ein Hoch auf den Grüner Veltliner, der überfloß, hinab in die trunkenen Wirbel der Donau. Der Fluß war ohnehin die Ursache aller Bewegung zu Wasser und zu Lande.
Da kam das Schiff ohne Segel und fuhr grußlos vorüber. Ein Fähnchen am Heck flatterte widerwillig. Ein Kind hob die Hand und winkte, winkte, bis die Hand wie ein abhanden gekommener Gegenstand wirkte. Und winkte und winkte.
Die Kirche flußüber stand wieder still.
Der Turm verbeugte sich vor den Walnußbäumen, die standgehalten hatten im Schall und Widerhall der Glocken am Ufer der Donau.

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